
Neue Podcast-Folge mit Theologin Hildegard Aepli.
Was verbindet den Schweizer Nationalheiligen Bruder Klaus mit einer fast vergessenen Frauengestalt des frühen Mittelalters? Mehr, als man auf den ersten Blick vermuten würde. In der neuen Folge von Bruder Klaus – der Podcast steht die heilige Wiborada im Mittelpunkt – und mit ihr eine Lebensform, die radikaler kaum sein könnte: die bewusste Entscheidung, sich ganz Gott und den Menschen zu widmen.
Zu Gast bei Thomas Philipp Reiter ist die Schweizer Theologin Hildegard Aepli aus St. Gallen. Seit Jahren setzt sie sich dafür ein, das Vermächtnis der heiligen Wiborada neu ins Bewusstsein zu rücken. Mit dem Projekt Wiborada 2021–2026 erinnert sie an die erste Frau der Kirchengeschichte, die offiziell heiliggesprochen wurde – und an eine Persönlichkeit, die heute weitgehend vergessen ist. Mehr Informationen zum Projekt finden sich unter www.wiborada-ist-da.ch.
Wiborada lebte vor rund 1000 Jahren als Inklusin bei der Kirche St. Mangen in St. Gallen: freiwillig zurückgezogen und eingemauert in einer kleinen Zelle – und zugleich mitten in der Welt. Durch zwei Fenster blieb sie mit ihrer Umgebung verbunden: eines zur Kirche, eines zu den Menschen. Von dort aus hörte sie zu, beriet, betete und wirkte weit über die Mauern ihrer Klause hinaus. Der Überlieferung nach warnte sie rechtzeitig vor einem Überfall der Ungarn und rettete damit Menschenleben sowie wertvolle Handschriften der Stiftsbibliothek.
Hier zeigt sich auch die Parallele zu Bruder Klaus. Beide entschieden sich für ein radikales Leben zwischen Rückzug und Präsenz, zwischen Kontemplation und Verantwortung für andere. Bruder Klaus lebte in seiner Ranftklause ebenfalls buchstäblich «zwischen zwei Fenstern»: eines zur Kapelle und zum Gebet, das andere zur Welt und zu den Menschen, die seinen Rat suchten.
Wie fühlt sich ein solches Leben an? Um dieser Frage nachzugehen, liess sich Hildegard Aepli selbst für eine Woche in eine moderne Nachbildung von Wiboradas Zelle bei St. Mangen einschliessen – als erste Person überhaupt. Im Podcast erzählt sie eindrücklich von Stille, Konzentration, Begegnungen und der überraschenden Aktualität eines fast tausendjährigen Lebensentwurfs.
Die neue Folge von Bruder Klaus – der Podcast lädt dazu ein, eine aussergewöhnliche Frau neu zu entdecken – und darüber nachzudenken, was ein Leben «zwischen zwei Fenstern» heute bedeuten kann.